Périgord

Périgord

Viele kennen das Périgord aus den wunderbaren Romanen rund um Bruno Courrèges, den sympathischen Dorfpolizisten, der dort Mordfälle aufklärt und, wenn gerade kein Verbrechen geschieht, mit großer Hingabe kocht, isst und das Leben genießt wie Gott in Frankreich. Ich bin eigentlich kein großer Leser, doch diese frankreichverliebten Bücher habe ich tatsächlich mit Freude gelesen.

Als ich dann vor vielen Jahren selbst das erste Mal selbst ins Périgord gereist bin, habe ich sofort verstanden, warum Bruno dort so lebt. Nicht, weil es irgendein romantisches Klischee wäre, sondern weil man es dort ganz automatisch tut. Diese Region verführt einen dazu, langsamer zu werden, besser zu essen, genauer hinzusehen und den Moment zu genießen. Im Périgord lebt man wie Gott in Frankreich, ohne es bewusst zu planen.

Ich bin seit vielen Jahren immer wieder in Frankreich unterwegs und habe viele wunderbare Regionen kennengelernt. Doch das Périgord hat  einen besondern Platz in meinem  Heren. Diese Gegend besitzt eine stille Schönheit, die sich nicht aufdrängt. Die Häuser sind aus warmem Stein gebaut und wirken, als hätten sie Jahrhunderte gelassen überstanden. Kleine Dörfer schmiegen sich in die Landschaft, alte Fensterläden stehen halb offen, und hinter Mauern wachsen Feigenbäume und Rosen. Alles wirkt echt, ursprünglich und voller Geschichte.

Vor allem aber liebe ich diese Region wegen ihrer Kulinarik. Hier scheint jedes Produkt mehr Geschmack zu haben, jede Frucht mehr Sonne gesehen zu haben und jede Mahlzeit mehr Zeit zu bekommen. Wenn ich über die Märkte rund um Sarlat-la-Canéda gehe, bin ich jedes Mal aufs Neue begeistert. Nirgendwo habe ich bessere Erdbeeren und Brombeeren gegessen. Sie duften schon von weitem, sind tiefrot, süß und schmecken nach Sommer. Man kauft sie nicht, man kann ihnen kaum widerstehen.

Nie vergessen werde ich die Pfirsiche auf dem Markt in Périgueux. Sie waren so saftig und aromatisch, dass der erste Bissen beinahe überraschend war. Genau diese einfachen Dinge bleiben einem dort in Erinnerung. Eine Frucht, ein Marktstand, ein kurzer Moment in der Morgensonne.

Ebenso herrlich sind die Walnussküchlein, die man in Sarlat-la-Canéda kaufen kann. Wunderbar saftig, dicht und voller Geschmack, mit Nüssen, die erstaunlich mild sind und fast keine Bitterstoffe haben. Man merkt sofort, warum die Walnuss im Périgord seit Jahrhunderten eine so große Rolle spielt.

Für meine Einkäufe fahre ich oft zu kleinen Produzenten, die man ohne Empfehlung kaum finden würde. Manchmal liegen diese Höfe in beinahe verlassenen Gegenden, irgendwo zwischen Wäldern, Feldern und alten Steinmauern. Dann steht man vor einem stillen Haus, zieht an einer großen Glocke, und nach einem Moment kommt jemand in den kleinen Hofladen. Dort werden mit leuchtenden Augen Foie Gras, Terrinen, Rillettes oder Entenspezialitäten präsentiert. Nicht geschniegelt, nicht inszeniert, sondern mit ehrlichem Stolz und großer Herzlichkeit.

 

 

Die Küche des Périgord ist reich, bodenständig und zugleich voller Raffinesse. Entenconfit gehört selbstverständlich dazu, ebenso knusprige Kartoffeln nach Sarlat Art, in Entenfett gebraten und mit Knoblauch verfeinert. Dazu kommen Trüffel aus dem schwarzen Périgord, Walnüsse in allen Variationen, kräftige Pasteten, Steinpilze aus den Wäldern und Käse von kleinen Höfen. Besonders mag ich die feinen Ziegenkäse, die oft noch warm vom Marktstand verkauft werden.

Dazu trinkt man wunderbare Weine aus Bergerac oder Monbazillac. Ein Monbazillac, den ich dort einmal verkostet habe, ist mir bis heute in Erinnerung geblieben. Er schmeckte nach reifer Ananas, Honig und goldenen Früchten, dabei zugleich frisch und elegant. Solche Weine vergisst man nicht. In meinem Weinkeller bewahre ich diesen wein und freue mich immer Ihn meinen Gästen servieren zu können zu meiner Foie gras.

Ich kann mich auch noch sehr gut erinnern, wie ich im Sommer in Bergerac nachts ein wunderschönes Konzert am Fluss erlebt habe. Die Dordogne floss ruhig durch die warme Nacht, Lichter spiegelten sich im Wasser, Musik lag in der Luft, und für einen Moment schien alles vollkommen leicht. Solche Abende brennen sich tief ins Gedächtnis ein.

Und dann ist da überhaupt diese Landschaft. Besonders liebe ich, wie sich die Dordogne ruhig und romantisch durch die Gegend zieht. Der Fluss glitzert zwischen Felsen, Gärten und alten Häusern, als würde er die Zeit ein wenig verlangsamen. Wenn am Abend das Licht weich über den Sandsteinfassaden liegt, irgendwo Geschirr klappert und aus einer Küche der Duft von Knoblauch und Kräutern zieht, wirkt alles unheimlich romantisch.

Man spürt überall, wie alt diese Region ist. Wer sich für Geschichte interessiert, ist dort im Paradies. Überall finden sich alte Schlösser, Burgen und Festungen, die über Tälern und Flüssen thronen. Dazu kommen romanische Kirchen, mittelalterliche Gassen und Orte, in denen man meint, die Jahrhunderte noch sehen zu können. Besonders beeindruckend sind auch die Höhlen von Lascaux , deren steinzeitliche Malereien zeigen, wie lange Menschen diese Landschaft schon geprägt haben. Ich kann verstehen warum sie sich diesen Ort ausgesucht haben.

Das schwarze Périgord rund um Sarlat-la-Canéda mit seinen Wäldern und mittelalterlichen Orten hat mich besonders verzaubert. Das weiße Périgord rund um Périgueux wirkt heller und weiter, das purpurne Périgord ist für seine Weinberge bekannt, und das grüne Périgord zeigt eine sanfte, fast verträumte Seite Frankreichs.

Für mich ist das Périgord ein Ort, an den ich immer wieder zurückkehre. Wegen der Menschen, der Produkte,  wegen der Schönheit der Landschaft und vor allem wegen dieser seltenen Kunst zu leben, zu genießen und dem Augenblick seinen Wert zu lassen.

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